Figurbeschreibung Heiliger Martin - Figurenwerk

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Figurbeschreibung Heiliger Martin

Heiliger Martin
Eine Figur für das Kloster Muri-Gries, Bozen


Zur Gestaltung der Figurengruppe
Bei der Gestaltung der Figurengruppe war es wichtig, die Szene der Mantelteilung in eine moderne, dem 21. Jahrhundert angemessene Darstellungsform zu bringen.

Zentrale Aussage
Die zentrale Aussage des Bildes der Mantelteilung ist die Anteilnahme mit der die Figur des Martin einem anderen Menschen in Not auf gleicher Ebene begegnet. Martin und der Notleidende erfahren sich als zwei Menschen mit gleichem Recht auf Leben, wobei keiner über oder unter dem anderen steht.

Figur des Martin
Martins Anteilnahme an der Lage des bedürftigen Menschen wird symbolisiert durch die körperliche Zuwendung, das Anschauen, die volle Konzentration auf sein Gegenüber. Die Figur des Martin nimmt keinen Kontakt zum Betrachter auf, ist mit seiner ganzen Aufmerksamkeit auf den Notleidenden fokussiert.
Martin ist in mit einem grünen Anzug bekleidet, der an militärische Kleidung erinnert – damit wird Bezug genommen auf Martins Hintergrund als Soldat. Gleichzeitig ist die Figur des Martin zurückgenommen und wirkt eher bescheiden und demütig. Auf das Pferd wurde gänzlich verzichtet
.

Figur des Bedürftigen
Der notleidende Mensch ist als Flüchtling mit dunkler Hautfarbe dargestellt. Viele Flüchtlinge aus Afrika kommen in letzten Jahren in Europa an und haben nur geringe Aussicht auf ein gutes Leben. Vielmehr sind sie dazu gezwungen, in Lagern und Sammelunterkünften oder auch auf den Straßen dahinzuvegetieren. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind sie Europas Menschen in Not.
Die Figur des Flüchtlings nimmt die zentrale Stellung in der Figurengruppe ein. Der Flüchtling nimmt Blickkontakt mit dem Betrachter auf – mit erschrockenem, ratlosem, ängstlichen, fragenden Ausdruck. Er ist es, der den Betrachter als dritte Person in die Darstellung mit hineinnimmt und ihm mit seinem Blick Fragen stellt.

Der Mantel
Der Mantel wird in der Darstellung zur goldenen Rettungsdecke. Eine Rettungsdecke ist eine metallisierte dünne Plastikfolie mit einer silber- und einer goldfarbigen Seite. Sie ist eine erste Notmaßnahme für ankommende Flüchtlinge und soll vor Unterkühlung, Nässe oder Wind schützen. Durch die glänzende Vergoldung dieser Decke zieht die Figur des Bedürftigen unwillkürlich den Blick des Betrachters auf sich.
Eine zweite Decke hält Martin über dem Arm und es wird deutlich, dass er es ist, der dem Notleidenden die Decke gegeben hat, dass er es ist, der solche Decken verteilt – möglicherweise als Bestandteil seines Einsatzes als Soldat in der Not-Hilfe für Flüchtlinge.
Der Flüchtling bekommt in der Darstellung durch diese Rettungsdecke mit ihrem blendenden goldenen Schein eine königliche Anmutung. Diese Anmutung steht ganz im Gegensatz zu unserem Wissen, dass er ja eigentlich die bedürftige Person ist.
Die Darstellung spielt in ihrer Widersprüchlichkeit auch auf einen Traum Martins in der Nacht nach seiner selbstlosen Tat.an. Dieser Traum zeigte ihm Jesus Christus in der Person des Bettlers.
Die Figurengruppe soll nun auch dies verdeutlichen: dass in jedem notleidenden Menschen von heute – egal welche Hautfarbe er hat und wie fremd er uns erscheinen mag - ein Stück von Jesus Christus erkannt werden kann.

München, August 2017
Dr. Angela Eberhard

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